Film-Crew in Hagen – Mit der Kamera auf Zeitreise

Musiker und Regisseur Sandro Giampietro hat wieder ein Filmprojekt: Zusammen mit Schauspielern, Komparsen und Schülern hält er die Geschichte der Burg zu Hagen in Ton und Bild fest.

Für Mediensäulen, die entlang der Burgallee aufgestellt werden sollen, lässt Sandro Giampietro (Dritter v.l.) die Vergangenheit der Burg zu Hagen wieder aufleben. (Andrea Grotheer)

Hagen. Zwei junge Damen sitzen anmutig und gut beschattet im Gras, ihre Kleidung lässt auf eine vornehme Herkunft schließen. Begleitet werden sie von einem jungen Herrn, ein Diener serviert Gebäck: Diese Szene hat sich jetzt im Garten der Burg zu Hagen abgespielt. Genauso könnte es im Sommer des Jahres 1653 ausgesehen haben, als die Familie des schwedischen Reichsrats und Diplomaten Schering Rosenhane mehrere Monate dort verbrachte. Der Schwede hatte die Burg als Belohnung für seine Verdienste bei den Friedensverhandlungen im Westfälischen Frieden zu Münster und Osnabrück erhalten.

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SONDERAUSSTELLUNG | 20 Lieblingsstücke von Maria & Fritz

Eine besondere Ausstellung in einer außergewöhnlichen Zeit 20 LIEBLINGSSTÜCKE von Maria & Fritz ausgewählt von interessierten Besuchern unserer Internetseite bis zum 30. September 2020. Es stehen insgesamt 111 Arbeiten des Künstlerehepaares zur Auswahl. Öffnungszeiten zunächst nur an zwei Sonntagen im November: 1.11. und 8.11.2020 von 15:00 bis 17:00 Uhr Kaffeestunde mit musikalischer Begleitung am FlügelJürgen Gorges (1.11.) / Thomas Rogalla …

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Alles hat ein Ende …

»In einer Zeit, in der die Besucher nicht zu den Bildern dürfen, können oder wollen, müssen die Bilder halt zu den Betrachtern kommen.«

Das waren meine ersten Zeilen für diese Homepage-Präsentation der Burg zu Hagen. Danach habe ich mir Bilder aus dem Fundus von Maria Misselhorn und ihrem Ehemann Fritz Dehn ausgesucht und ein paar persönliche Anmerkungen dazu geschrieben.

Jetzt, nach 111 Motiven, soll es genug sein. Nicht, dass es keine weiteren Bilder mehr gäbe, sondern weil ich so eine Idee auch nicht überstrapazieren möchte.

Bei der Burg zu Hagen bedanke ich mich sehr bei Katrin Feldmann, die spontan von der Idee der etwas anderen Art von Ausstellung begeistert war. Ebenso bei Axel Wüst, der Tag für Tag dafür gesorgt hat, dass meine ausgesuchten Motive und die dazugehörigen Texte auch wirklich auf der Homepage erschienen sind.

Mein abschließender Dank geht an alle die Neugierigen, die über die Dauer von über drei Monaten immer mal wieder diese Homepage-Ausstellung Zuhause an ihrem PC besucht und zum Teil auch ihre netten Kommentare hinterlassen haben.

Bleibt mir zu hoffen, dass auch Maria & Fritz genauso viel Spaß und Freude an dieser Präsentation ihrer Bilder gehabt hätten, wie ich sie hatte.

Matthias Höllings, August 2020

Das verliebte Ehepaar

von Fritz Dehn, Zeichnung

Das Märchen von Fritz & Maria: Es war einmal ein junger Mann in Pommern vor vielen, vielen Jahren. Der sollte von seinem Vater eine Fabrik übernehmen. Große Lust hatte er dazu nicht. Er wollte nur eines: malen, malen, malen. Von einem Vertreter, der viel und weit über Land zog, hörte er von einem jungen Mädchen Maria aus einem ganz kleinen Dorf namens Appeln. Auch sie wollte nichts anderes als malen. Der junge Fritz wurde neugierig und machte sich auf den Weg. Er traf diese Maria und verliebte sich in sie – und sie sich auch in ihn. Nun malten sie gemeinsam, heirateten und bekamen drei Kinder. Durch den Krieg waren sie einige Zeit getrennt, aber als der vorbei war, fand die Familie in Appeln ein neues Zuhause. Fortan malten beide bis an ihr Lebensende gemeinsam und beglückten nicht nur sich selbst mit ihren schönen Bildern, sondern auch viele Menschen in ihrer Umgebung. Und wenn die Bilder nicht abgehängt worden sind, dann hängen sie noch heute

Die Jungmühle

von Fritz Dehn, 1965, Aquarell

In den 60er-Jahren hatten sich Maria & Fritz mittlerweile als Künstler einen Namen gemacht und auch niedersächsische Institutionen wurden auf sie aufmerksam. Mal war es die Bezirksregierung Lüneburg, die für Ämter und Schulen anfragte, mal das Finanzamt in Cuxhaven oder der Senat in Bremen. Maria fertigte Gobelins und große Wandteppiche und entwarf viele Dekorationsbilder. Auch Fritz war nicht untätig und schuf immer wieder große Wandbilder für öffentliche Einrichtungen. Sein Entwurf »Die Jungmühle« war für das Gesundheitsamt Osterholz-Scharmbeck bestimmt, schaffte es aber nicht bis zur Durchführung. So jedenfalls hat es Fritz mit Bleistift unter seinem Entwurf vermerkt. Woran mag das gelegen haben? Waren sich die Entscheidungsträger nicht sicher, ob diese Jungmühle funktioniert? Haben sie eventuell die Ironie des Malers nicht verstanden? Oder wollten sie ihren »Kunden« und Mitarbeitern so viel Nacktheit im Amt dann doch nicht zumuten?

Der Künstler

von Fritz Dehn, 1971, Zeichnung mit Filzschreiber

Vorbilder von Fritz waren Max Ernst, Paul Klee, Marc Chagall, Pablo Picasso, doch wenn man sich diese Zeichnung ansieht, kommt unübersehbar noch ein Kollege hinzu: Der spanische Surrealist Salvador Dalí. Von allen genannten ließ sich Fritz inspirieren, kopierte sie aber nie. Bei dieser Zeichnung ist allerdings eine gehörige Portion Ironie mit im Spiel. Dalí gab sich Zeit seines Lebens (1904-1989) sehr exzentrisch und drückte das besonders durch seine Kleidung aus: Samtjacke, schwarzer Filzhut, bodenlanger Umhang, schulterlange Haare, lange Koteletten und ein gezwirbelter Schnurrbart, der zu seinem Markenzeichen wurde. Dalí hatte sich in seiner Kunst der Welt des Unbewussten verschrieben, was man von Fritz’ Zeichnung nicht behaupten kann. Mit nur ganz wenigen Linien, die exakt den Meister auf den Punkt bringen, schafft es Fritz, seinen Kollegen zu karikieren. Gab es Gemeinsamkeiten? Beide wollten schon in jungen Jahren malen, beide wurden Maler und Grafiker und beide rauchten Pfeife. Beide mochten Picasso.

Wappen von Bederkesa

von Maria Dehn-Misselhorn, 1960er Jahre, Ölkreide, Entwurf

Einige Bilder, Skizzen oder Entwürfe können einem noch nach Jahrzehnten Rätsel aufgeben. So dieser Entwurf von Maria für einen Wandteppich. Unschwer ist die Burg Bederkesa zu erkennen, ein paar Schilde, Wappen, ein Roland und Jahreszahlen. Man müsste einmal jemanden fragen, der sich mit Geschichte auskennt, dann käme man den Ideen und Auslösern von Maria für diesen Entwurf etwas näher. Bekannt ist, dass ein gewisser Ritter Bederich in der Gegend am südwestlichen Seeufer eine Ahe – einen Herrenwald besaß, der wurde Bederich-Ahe genannt. Seine Nachfahren errichteten dann später dort eine Burg. Der Name blieb und ging dann auf den Ort über. 1421 nahm die Stadt Bremen die Burg in Besitz. Seit 1602 steht der kleine Roland als Zeichen der Gerichtsbarkeit im Burghof und über hundert Jahre später mischten hier die Schweden mal kräftig mit. Aber was genau war hier 1460, 1654 und 1735 los? Der Schlüssel im roten Wappen wurde aus der Stadt Bremen entlehnt, der das Amtsgebiet von 1381-1654 gehört hat. Aber es bleiben Fragen offen.

Der Mediziner

von Fritz Dehn, 1964, Ölkreide, Entwurf

Das Spannende beim Blättern oder Durchstöbern von Bildern sind Entwürfe, die es nicht bis zur Umsetzung geschafft haben. Spannend deshalb, weil, bis auf wenige Details, der künstlerische Prozess abgeschlossen ist. Das wird auf jeden Fall deutlich, wenn man nicht ausgeführte Entwürfe mit ausgeführten vergleicht. Bei den fertig gestellten Werken sieht man später sehr genau, wie dicht der Entwurf bereits am Original war. Wie grandios hätte nach der Umsetzung des Entwurfes »Der Mediziner« an der Wand des Gesundheitsamtes in Emden als Auftraggeber gewirkt, wenn sie Fritz gelassen hätten. Doch dazu kam es nicht. In der Farbgebung und durch den schwebend wirkenden Esel erinnert mich dieser Entwurf an Bilder von Marc Chagall. Beim zweiten Blick stehe ich jedoch gemeinsam mit Fritz am Nil und schaue vor über 4000 Jahren einem in weiß gekleidetem Hohepriester zu, wie er am Ufer einen Patienten betreut.