Das verliebte Ehepaar

von Fritz Dehn, Zeichnung

Das Märchen von Fritz & Maria: Es war einmal ein junger Mann in Pommern vor vielen, vielen Jahren. Der sollte von seinem Vater eine Fabrik übernehmen. Große Lust hatte er dazu nicht. Er wollte nur eines: malen, malen, malen. Von einem Vertreter, der viel und weit über Land zog, hörte er von einem jungen Mädchen Maria aus einem ganz kleinen Dorf namens Appeln. Auch sie wollte nichts anderes als malen. Der junge Fritz wurde neugierig und machte sich auf den Weg. Er traf diese Maria und verliebte sich in sie – und sie sich auch in ihn. Nun malten sie gemeinsam, heirateten und bekamen drei Kinder. Durch den Krieg waren sie einige Zeit getrennt, aber als der vorbei war, fand die Familie in Appeln ein neues Zuhause. Fortan malten beide bis an ihr Lebensende gemeinsam und beglückten nicht nur sich selbst mit ihren schönen Bildern, sondern auch viele Menschen in ihrer Umgebung. Und wenn die Bilder nicht abgehängt worden sind, dann hängen sie noch heute

Die Jungmühle

von Fritz Dehn, 1965, Aquarell

In den 60er-Jahren hatten sich Maria & Fritz mittlerweile als Künstler einen Namen gemacht und auch niedersächsische Institutionen wurden auf sie aufmerksam. Mal war es die Bezirksregierung Lüneburg, die für Ämter und Schulen anfragte, mal das Finanzamt in Cuxhaven oder der Senat in Bremen. Maria fertigte Gobelins und große Wandteppiche und entwarf viele Dekorationsbilder. Auch Fritz war nicht untätig und schuf immer wieder große Wandbilder für öffentliche Einrichtungen. Sein Entwurf »Die Jungmühle« war für das Gesundheitsamt Osterholz-Scharmbeck bestimmt, schaffte es aber nicht bis zur Durchführung. So jedenfalls hat es Fritz mit Bleistift unter seinem Entwurf vermerkt. Woran mag das gelegen haben? Waren sich die Entscheidungsträger nicht sicher, ob diese Jungmühle funktioniert? Haben sie eventuell die Ironie des Malers nicht verstanden? Oder wollten sie ihren »Kunden« und Mitarbeitern so viel Nacktheit im Amt dann doch nicht zumuten?

Der Künstler

von Fritz Dehn, 1971, Zeichnung mit Filzschreiber

Vorbilder von Fritz waren Max Ernst, Paul Klee, Marc Chagall, Pablo Picasso, doch wenn man sich diese Zeichnung ansieht, kommt unübersehbar noch ein Kollege hinzu: Der spanische Surrealist Salvador Dalí. Von allen genannten ließ sich Fritz inspirieren, kopierte sie aber nie. Bei dieser Zeichnung ist allerdings eine gehörige Portion Ironie mit im Spiel. Dalí gab sich Zeit seines Lebens (1904-1989) sehr exzentrisch und drückte das besonders durch seine Kleidung aus: Samtjacke, schwarzer Filzhut, bodenlanger Umhang, schulterlange Haare, lange Koteletten und ein gezwirbelter Schnurrbart, der zu seinem Markenzeichen wurde. Dalí hatte sich in seiner Kunst der Welt des Unbewussten verschrieben, was man von Fritz’ Zeichnung nicht behaupten kann. Mit nur ganz wenigen Linien, die exakt den Meister auf den Punkt bringen, schafft es Fritz, seinen Kollegen zu karikieren. Gab es Gemeinsamkeiten? Beide wollten schon in jungen Jahren malen, beide wurden Maler und Grafiker und beide rauchten Pfeife. Beide mochten Picasso.

Wappen von Bederkesa

von Maria Dehn-Misselhorn, 1960er Jahre, Ölkreide, Entwurf

Einige Bilder, Skizzen oder Entwürfe können einem noch nach Jahrzehnten Rätsel aufgeben. So dieser Entwurf von Maria für einen Wandteppich. Unschwer ist die Burg Bederkesa zu erkennen, ein paar Schilde, Wappen, ein Roland und Jahreszahlen. Man müsste einmal jemanden fragen, der sich mit Geschichte auskennt, dann käme man den Ideen und Auslösern von Maria für diesen Entwurf etwas näher. Bekannt ist, dass ein gewisser Ritter Bederich in der Gegend am südwestlichen Seeufer eine Ahe – einen Herrenwald besaß, der wurde Bederich-Ahe genannt. Seine Nachfahren errichteten dann später dort eine Burg. Der Name blieb und ging dann auf den Ort über. 1421 nahm die Stadt Bremen die Burg in Besitz. Seit 1602 steht der kleine Roland als Zeichen der Gerichtsbarkeit im Burghof und über hundert Jahre später mischten hier die Schweden mal kräftig mit. Aber was genau war hier 1460, 1654 und 1735 los? Der Schlüssel im roten Wappen wurde aus der Stadt Bremen entlehnt, der das Amtsgebiet von 1381-1654 gehört hat. Aber es bleiben Fragen offen.

Der Mediziner

von Fritz Dehn, 1964, Ölkreide, Entwurf

Das Spannende beim Blättern oder Durchstöbern von Bildern sind Entwürfe, die es nicht bis zur Umsetzung geschafft haben. Spannend deshalb, weil, bis auf wenige Details, der künstlerische Prozess abgeschlossen ist. Das wird auf jeden Fall deutlich, wenn man nicht ausgeführte Entwürfe mit ausgeführten vergleicht. Bei den fertig gestellten Werken sieht man später sehr genau, wie dicht der Entwurf bereits am Original war. Wie grandios hätte nach der Umsetzung des Entwurfes »Der Mediziner« an der Wand des Gesundheitsamtes in Emden als Auftraggeber gewirkt, wenn sie Fritz gelassen hätten. Doch dazu kam es nicht. In der Farbgebung und durch den schwebend wirkenden Esel erinnert mich dieser Entwurf an Bilder von Marc Chagall. Beim zweiten Blick stehe ich jedoch gemeinsam mit Fritz am Nil und schaue vor über 4000 Jahren einem in weiß gekleidetem Hohepriester zu, wie er am Ufer einen Patienten betreut.

Mädchenauge

von Maria Dehn, 40er Jahre, Öl

Dieses Bild entdeckte ich eher zufällig bei einem meiner Besuche beim Galeristen Alwin Bergmann in Kirchwistedt. Er hatte aus seinem Bekanntenkreis den Auftrag bekommen, dieses Bild zu reinigen und erwähnte beiläufig, dass Maria beim Signieren wohl die Jahreszahl vergessen hätte. Da ich Zuhause (Zufall oder nicht) die auf dem Bild abgebildete türkisfarbene Porzellandose besaß und noch besitze, konnten wir Maria »auf die Schliche« kommen. Die Dose hatte ich von meiner Mutter geerbt, die sie von ihrer Mutter Emilie übernommen hatte. Die wiederum war 1945 gestorben. Maria hatte bis zu ihrer Heirat 1936 ihre Bilder mit M. Misselhorn signiert. Nach der Heirat dann für kurze Zeit nur mit M. Dehn. Daher vermuteten wir, dass das Entstehungsjahr dieses Bildes irgendwo Anfang der 1940er Jahre liegen müsste. Nach Reinigung des Bildes konnte Alwin Bergmann auf mein Drängen hin die Besitzer des Bildes davon überzeugen, dass das Bild »eigentlich« doch zur Original-Porzellandose gehört. Und so kam es dann auch.

Fischereiflotte

von Fritz Dehn, 1937, Aquarell

Fritz Dehn gilt heute gemeinhin als Landschaftsmaler, der allerdings immer wieder seinen Stil und das Genre wechselte. Gelegentliche Ausflüge und Besuche auf Einladung ins Maler-Atelier in Cuxhaven oder Besuche in Bremerhaven brachten ihn auch bis direkt an die Küste. Da waren dann auch Motive wie Leuchttürme, Schiffe oder Hafenansichten nicht weit. Auch bewarb sich Fritz mit einigen seiner themenbezogenen Arbeiten bei entsprechenden Ausschreibungen. So auch mit diesem Aquarell, bei dem die Farbgebung in ausgesprochen leuchtenden Farben auffällt. Trotz dieser kräftigen Farben, die bei Aquarellen eher überrascht, ist Fritz ein überaus stimmiges Motiv gelungen. Seine »Fischereiflotte« hing in der Kunstausstellung »Seefischerei in der Kunst« vom 13. Juli – 4. August 1957 in der Städtischen Schillerschule in Bremerhaven.

Blick auf die neue Heimat

von Maria Dehn-Misselhorn, 1937, Aquarell

Dieses eher unscheinbare Aquarell von Maria bekommt nach Jahrzehnten in dem bis heute zusammengetragenen Fundus doch eine besondere Bedeutung. Maria gab diesem Bild keinen Titel, aber die gerade noch zu erkennende Kirchturmspitze verrät, dass es sich um einen Blick vom Ortsrand auf ihren »neuen« Wohnort Fiddichow in Pommern handelt. Ende 1936 hatte sie Fritz Dehn geheiratet, der aus diesem Ort stammte und beide waren dort hingezogen. Da Maria dieses Bild 1937 malte, ist zu vermuten, dass es eines der ersten Bilder ist, das Maria während oder nach einem längeren Spaziergang rund um den Ort gemalt hat. Im Gegensatz zu vielen anderen Bildern, die bis 1945 dort von ihr entstehen sollten, ist dieses Aquarell eines der wenigen, das es bereits damals bis in ihr Elternhaus in Appeln geschafft hat. Fast alle anderen Bilder gingen verloren. Dieses kleine Aquarell blieb erhalten.